PERFORMING
Closing. The Archive.
Performance, various locations
Concept and text: Mascha Naumann, xan egger
Sound: ego|n auflösung
(en) CLOSING.THE ARCHIVE. On the refusal of material to convey and transmit the experiences of the dancefloor, on countercultural socialities and their erasure through integration into a hegemonic cultural canon. The material remnants of the dancefloor are collectively categorized and catalogued, yet remain inaccessible.
CLOSING. The closing marks the time of the last DJ set, a fleeting and unstable moment of transition. Most of the ravers have already left the rave. For a short time, an indefinable borderland remains between given reality and queer disworlding. An ambiguous place of shifting forces and powers, where (mental)states slowly return to ‘normality’. An emptying space that lingers as an in-between, yet gradually becomes saturated with hegemonic context, where normative time slowly overrides the subjectively/collectively different structuring of the beat. The intensity of the physical experience is still palpable in the exhaustion; the counter-intuitive understanding between bodies is still present, but noticeably fading.The closing is an unreal drifting between realities, formless, meaningless, a time of non-being, non-belonging, and the ghostly. Without desire, wishes, or longings, and yet a time of loss. While all needs, hopes, goals, and intentions have fizzled out, the sweating bodies remain synchronized and pulsating effortlessly. Wasted time of dirty leftovers and broken remnants, witnesses of an un/conscious present.
THE ARCHIVE. A pile of garbage, collected after an illegal queer rave, is spread out in front of the audience, displayed as a material remnant of the rave. A relic that reveals nothing of the rave experience itself, no memories of the night. Together with the audience, these worthless traces will be analyzed, ordered, and categorized in a collective exploration process, negotiating the representation of queer subculture through systemic and hegemonic techniques of archiving and appropriation. By questioning the very concept of the archive as a source of information, we propose a subjective perspective, one of disorder, dirt, confusion, triviality, perversion, fluidity. A shift in focus toward the incomprehensible and priceless, the unknown and uncanny, and the failure of learned patterns.
(de) CLOSING.THE ARCHIVE. Über die Verweigerung des Materials, die Erfahrungen des Dancefloor zu vermitteln und weiterzugeben, über counterkulturelle Sozietäten und ihre Auslöschung durch eine Eingliederung in einen hegemonialen Kulturkanon. Die materiellen Überreste des Dancefloors werden gemeinsam kategorisiert, katalogisiert, aber deshalb nicht zugänglich.
CLOSING. Das Closing bezeichnet die Zeit des letzten DJ-Sets, eine flüchtige und instabile Zeit des Übergangs. Die meisten Ravenden haben den Rave bereits verlassen. Ein undefinierbares Grenzgebiet zwischen gegebener Realität und queerem Disworlding bleibt für einen kurzen Zeitraum aufrecht. Ein mehrdeutiger Ort der Kräfte-und Machtverschiebungen, an dem sich (Geistes)zustände langsam zur „Normalität“ verändern. Ein sich leerender Raum, der ein Dazwischen bleibt, sich aber gleichzeitig mit hegemonialem Kontext anreichert und in dem die normative Zeit langsam die subjektiv/kollektive andere Strukturierung des Beats übernimmt. Die Intensität der körperlichen Erfahrung ist durch die Erschöpfung hindurch noch spürbar, das counter-intuitive Verständnis für einander noch immer präsent – aber auch spürbar verblassend. Das Closing ist ein unwirkliches Driften zwischen Realitäten, formlos, bedeutungslos, eine Zeit des Nicht-Seins, der Nicht-Zugehörigkeit und des Geisterhaften. Ohne Begehren, Wünsche oder Sehnsüchte und doch eine Zeit des sich vollziehenden Verlusts. Während alle Bedürfnisse, Hoffnungen, Ziele, Absichten verpufft sind, sind die schwitzenden Körper noch synchronisiert und pulsieren ohne Anstrengung. Verschwendete Zeit der schmutzigen Reste und kaputten Überbleibsel, Zeugen einer un/bewussten Gegenwart.
THE ARCHIVE. Ein Haufen Müll, nach einem illegalen queeren Rave eingesammelt, wird als materielles Überbleibsel des Raves vor dem Publikum ausgebreitet und ausgestellt. Ein Relikt, das nichts von der Rave-Erfahrung selbst offenbart, keine Erinnerungen an die Nacht preisgibt. Gemeinsam mit dem Publikum werden diese wertlosen Spuren in einem kollektiven Erkundungsprozess analysiert, geordnet, kategorisiert und dabei die Repräsentation queerer Subkultur durch systemische und hegemoniale Archivierungs- und Appropriationstechniken verhandelt. Indem wir das Konzept des Archivs als Informationsquelle selbst in Frage stellen, schlagen wir eine subjektive Perspektive der Unordnung, des Schmutzes, der Verwirrung, Trivialität, Perversion, Fluidität, eine Verschiebung des Fokus auf das Unbegreifliche und Unbezahlbare, das Unbekannte und Unheimliche und das Scheitern von gelernten Mustern vor.