PERFORMING

Speculative Writing and Reading

Various contributors, various locations, amongst others parabolis virtualis 2 (Haus der Poesie Berlin), no one is an island (24. poesiefestival berlin)

Concept: xan egger

(en) Flooded by wor(l)ds

(Co)writing texts using a methodology of seemingly accidental speculative associations is a relational, sometimes collective, often anarchic practice of commitment. In a document which is accessible online from our smartphones and computers we note, explore, edit, add, correct, deepen, intervent, expose, confront, evolve, cancel, transform. Over a given period, driven by the realities and events of life, arbitrarily marked down in real-time. Sometimes our (writing) time is synchonized, we meet each other casually in virtual glimpses while the text moves on. A volatile sense of togetherness. More often one writes alone and encounters parts of a body (of text) which have not been there before. The text is unfolding itself slowly from the frayed chaos we call life, (un)worlding, groping, shifting perspectives: messy, imperfect, impulsive, intoxicated, affected, hypnotic, associative, intertwined, fragmented, layered, dense, loose, asking, teasing, deeply subjective, blinded by the shedding light, low and high, credible, questionable. The text might change at any given time, by one's active interfering or without even acting, and is always too much and never enough. Othering and alienation as an experimental experience in interdependence, resilience, vulnerability, and radical honesty: Everybody can overwrite the existing version without asking permission or giving explanations – an exercise for the individual to let go and trust in the other, a challenging but careful activity, suspending hegemonial structures of power. The final edit of the text is done together, in closeness, softness, physically, irl, intimately and tenderly.

The reading performance expands – contrary to the writing itself which is intensely concentrating – like a liquid collective mindmap which is leaking into the audience. A dense and challenging heartbeat of voices, overlapping, meandering, amplifying, strong yet ambigous, (en)lighting, empowering and bouncing back through the reaction of the audience.


(de) Von Worten/Welten geflutet

Das gemeinsame Schreiben über eine Methodik scheinbar zufälliger spekulativer Assoziationen ist eine aufeinander bezogene, kollektive, oft anarchische Praxis des Engagements. In einem Dokument, das von unseren Smartphones und Computern aus online zugänglich ist, notieren, erforschen, bearbeiten, ergänzen, korrigieren, vertiefen, intervenieren, entlarven, konfrontieren, entwickeln, annullieren, transformieren wir. In einem bestimmten abgesteckten Zeitraum, der von den Wendungen und Ereignissen des Lebens bestimmt wird, deren willkürlicher Drang nach Aufmerksamkeit und Beachtung von beiden Schreibenden in Echtzeit notiert wird. Manchmal ist unsere (Schreib-)Zeit synchronisiert, wir begegnen uns beiläufig in virtuellen Blicken, während der Text weitergeht. Ein flüchtiges Gefühl der Zweisamkeit. Häufiger schreibt jemand allein und stößt auf Teile eines (Text-)Körpers, die vorher noch nicht da waren, reagiert, entwickelt weiter, kommentiert, korrigiert, synchronisiert. Der Text entfaltet sich langsam aus dem ausgefransten Chaos, das wir Leben nennen, Welt-erzeugend, tastend, mit wechselnden Perspektiven: chaotisch, unvollkommen, impulsiv, berauscht, affektiert, hypnotisch, widerspenstig und widerständig, assoziativ, ineinander verschlungen, fragmentiert, geschichtet, dicht, locker, fragend, neckend, zutiefst subjektiv, geblendet vom einfallenden Licht, low und high, glaubwürdig und fragwürdig. Der Text kann sich jederzeit ändern, durch aktives eigenes Eingreifen oder ohne selbst zu handeln, er ist immer zu viel und nie genug. Othering und Entfremdung als experimentelle Erfahrung von Interdependenz, Resilienz, Verletzlichkeit und radikaler Ehrlichkeit: Beide Verfasser können die bestehende jederzeit Version überschreiben, ohne um Erlaubnis zu fragen oder Erklärungen abzugeben - eine Übung für das Subjekt und das Ego, loszulassen und dem anderen zu vertrauen. Eine herausfordernde, aber behutsame Praxis, die imstande ist, hegemoniale Machtstrukturen außer Kraft zu setzen. Die Endredaktion des Textes erfolgt gemeinsam, in physischer Nähe, mit einer gewissen Sanftheit und Körperbezogenheit, irl, intim und zärtlich.

Das performative Lesen des Textes dehnt sich - im Gegensatz zum Schreiben selbst, das sehr konzentriert ist - wie eine flüssige kollektive Mindmap aus, die ins Publikum sickert. Ein dichter und herausfordernder Herzschlag von Stimmen, die sich überlagern, mäandern, verstärken, selbstbewusst und doch mehrdeutig sind, (be)leuchten, ermächtigen und durch die Reaktion des Publikums zurückprallen.

 

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